Dass der garantierte Mindestzins für Lebensversicherungen sinken wird, ist nun für Januar 2012 beschlossene Sache. Auch die Höhe des garantierten Zinses ist festgelegt worden und liegt mit 1,75% unter dem von der Aktuarvereinigung vorgeschlagenen Wert von 2,0%. Um die Auswirkungen auf Ihr Geschäft einzuschätzen, kurz zum Hintergrund.
Wie erwartet wurde der Zeitpunkt für die Absenkung – auch beeinflusst durch die EU Umstellungsthematik - von der Lobby der Versicherungen in der Politik durchgedrückt und auf das Jahr 2012 verschoben. Damit ist 2011 mit seinem Jahresendgeschäft noch einmal ein Jahr mit tollen Chancen für den Vertrieb. Alle Vertriebe sollten sich nun unbedingt darauf einstellen, die Kunden auf diese Besonderheit hinzuweisen und mit Nachrichtenmeldungen und Newslettern an die Kunden heranzutreten. Auch die Experten der HSBC Trinkaus & Burkhardt Bank erwarten für dieses Jahr wieder einen Boom im Absatz der Produkte, halten sich dann aber für die weiteren Prognosen nach 2011 auffällig bedeckt.
Eine Senkung auf 2,0% hätte die psychologische Hürde mit der "2" vornweg noch halten und den Abstieg des Bereiches der Lebensversicherung etwas aufhalten können. Dennoch wurde nun von der BaFin, wie von vielen Experten, sei es vom map-report oder der Deutschen Aktuarvereinigung erwartet, die Absenkung auf 1,75% festgelegt.
Was das für den Vertrieb in der Zukunft konkret bedeuten wird, ist noch unklar. Denn eventuell kann die EU mit ihrem gedanklichen Vorstoß, den Garantiezins ganz abzuschaffen, vielleicht sogar den Abwärtstrend der Branche abwenden. Diese Änderung würde bedeuten, dass die Zinsen variabel je nach Geschäftslage der Unternehmen vergeben werden können, so wie es in Europa heute schon die britischen Lebensversicherer tun. Der Wirtschaftlichkeit der Unternehmen würde dann eine noch stärkere Gewichtung zukommen. Heute geht es in der Bewertung um wirtschaftliche Solidität, dann jedoch werden die Bilanzen für die Zinsfeststellung herangezogen.
Wie sich dieses in Verbindung mit weiteren EU- Entscheidungen (Unisex- Tarife u.a.) dann auf die Marktkonzentration auswirken wird bleibt reine Spekulation, sicher ist, dass bis dahin die Spielregeln der Versicherer, stille Reserven und stille Lasten aus den Anwendungen des Niederstwertprinzips zu verbuchen, deutlich einzuschränken sind. Nur so kann eine Transparenz für den Kunden hergestellt werden, die zu einer erneuten Vertrauensbildung führt.
Es bleibt spannend, klar ist nur, dass die Beratungsqualität für den Kunden zunehmen muss. Denn egal wie es weitergehen wird, der Vertrieb dieser Produkte in einer von Regulierungen getriebenen Branche kann nur über erhöhte Beratungsleistungen, die dann auch Geld kosten können, erfolgen.
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