Facebook


Facebook – der Preis ist heiß!

In diesen Tagen vollzieht sich eine der spannendsten Metamorphosen, die das Web 2.0 - Zeitalter zu bieten hat. Der Internetgigant Facebook, bisher schwerpunktmäßig als private Unternehmung am Markt vertreten, öffnet sich für Investoren.
Der Unterstützer bei diesem Verkauf von Unternehmensanteilen ist die Investmentbank Goldman Sachs. Der Mitbetreiber der Subprime-Krise hat also eine neue Möglichkeit gefunden, einen Hype zu entfachen und diesen zu reiten. Goldman Sachs hat Erfahrung damit, schon in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderst gehörte Goldman Sachs zu den Miterfindern der Derivate und hat auch damals seinen großen Anteil am schwarzen Freitag getragen.
Wer will es den Bankern von Goldman Sachs verübeln. Ihre Anleger verlangen von Ihnen nicht weniger als die attraktivsten Renditen am Markt. Und die gibt es nicht für Sparbücher sondern es müssen sich Personen finden, die den Reiz dieses Spiels kennen und zu schätzen wissen – und die dann die Gebühren dafür zahlen. Das sind in der Regel keine Privatanleger oder nur solche, deren Spielgeld bei einem Totalverlust wieder aufgefüllt werden kann. Als Spielgeld muss man bei Facebook nun mindestens 2 Millionen USD bezahlen und hoffen, einer der Auserwählten zu sein – wer wie auf die Liste kommt, könnte spannend sein.

Denn Facebook scheint eine solide Anlage zu sein bei der man weiß was man bekommt, der Wert von 50 Mrd. wurde ja nicht einfach so gesagt. Man hat die Gesamtheit aller Nutzer, etwa 500 Millionen weltweit bewertet. Das scheint die wichtigste Größe zu sein, die man kennen kann und man hat es bisher immer so gemacht, z.B. auch bei Mobilfunkunternehmen und anderen Internetunternehmen wie AOL und Yahoo.
Ja genau, eine ähnliche Hybris gab es um Mobilfunkunternehmen UMTS Lizenzen usw. und es gab dort, nachdem es bergab ging, viele Verlierer. Damals war es nicht nur das Geld, was verloren ging, sondern auch viele Arbeitsplätze. Aber selbst wem das heute egal ist, weil es vor der Jahrtausendwende war und wir heute das neue Zeitalter des Web 2.0 haben, dem kann man die Unternehmen der ersten Internet- Generation zeigen. Ehemalige Riesen wie AOL und Yahoo, die zur Jahrtausendwende bei Ihren Börsengängen hochgelobt wurden, sind nur noch mit kleinen Marktanteilen und einem Schatten von vergangenen Börsenkursen vertreten.

Wenn man dann den Wert von Facebook exemplarisch nachrechnen will, die Kosten des Unternehmens aber nicht kennt,  und diese schätzt, wird es spannend. Annahme: Bei einem realen Umsatz von jährlich 2 Mrd. USD gehen wir von einer Kostenquote von 35% aus, das bedeutet, es fallen jedes Jahr Kosten in Höhe von 700 Millionen USD an. Wenn man die verbleibenden 1,3 Mrd. nimmt, benötigt man bei einem linear verlaufenden Gewinn ohne Verzinsung also 38 Jahre zur Erreichung der Höhe von 50 Mrd. USD.  Gut, die Gewinne werden steigen, weil alle Nutzer der individuellen Werbung zustimmen, aber wer glaubt heute noch realistisch daran, dass Facebook über 38 Jahre am Markt diese Erträge abwerfen kann, wo doch der Gründer Zuckerberg selbst gezeigt hat, wie schnell man einem großen Gegner die Kunden abjagen kann.

Zuckerberg wird es egal sein, Goldman Sachs auch, die werden schon auf den nächsten Zug aufspringen. Die Großanleger nehmen ihre Gewinne beim IPO von Facebook mit und dann wird der Markt zeigen, wie der Kurs sich entwickelt.
Als Beispiel könnte der Börsengang der Telekom in Deutschland dienen. Damals hatten vor dem eigentlichen IPO eine kleinere Anzahl von privaten und institutionellen Anlegern Anteilsscheine vorab beziehen können. Diese haben dann beim großen Börsengang für die Privatanleger Ihre Papiere abgegeben und den Gewinn eingefahren den dann der Kleinanleger bezahlt hat.
Überlegen Sie sich also ein Investment, wenn Facebook an die Börse geht - aber wenn es so kommen sollte wie oben beschrieben, kann sich keiner die Entwicklung erklären.